PottKom: Warum das Ruhrgebiet seine Stadtteilzentren nicht aufgeben darf

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Wenn über Innenstädte gesprochen wird, geht es im Ruhrgebiet oft zuerst um die großen Zentren: die City von Essen, die Dortmunder Innenstadt, Bochum, Duisburg oder Gelsenkirchen. Dabei entscheidet sich die Lebensqualität vieler Menschen ganz woanders, nämlich direkt vor der eigenen Haustür.

In den Stadtteilzentren.

Dort, wo früher Bäcker, Metzger, Apotheke, kleiner Supermarkt, Kiosk, Bankfiliale und vielleicht noch ein inhabergeführtes Fachgeschäft selbstverständlich waren, sieht es heute vielerorts dünner aus. Ladenlokale stehen leer, alte Geschäfte verschwinden, Dienstleistungen ziehen sich zurück und aus belebten Einkaufsstraßen werden langsam Durchgangsorte.

Das ist mehr als ein wirtschaftliches Problem.

Ein Stadtteilzentrum ist nicht einfach nur eine Ansammlung von Geschäften. Es ist Treffpunkt, Versorgungsort und sozialer Mittelpunkt. Hier begegnet man Nachbarn, erledigt Besorgungen, trinkt einen Kaffee oder bleibt kurz vor einem Schaufenster stehen. Genau solche alltäglichen Begegnungen machen ein Viertel lebendig.

Wenn diese Orte verschwinden, verändert sich ein Stadtteil spürbar.

Gerade im Ruhrgebiet ist das besonders relevant. Viele Städte bestehen aus zahlreichen gewachsenen Ortsteilen mit eigener Geschichte und eigener Identität. Menschen leben nicht nur in Dortmund, Essen oder Duisburg. Sie leben in konkreten Vierteln, oft seit Jahrzehnten.

Deshalb darf Stadtentwicklung nicht nur auf die großen Innenstädte schauen.

Ein neues Prestigeprojekt im Zentrum hilft wenig, wenn gleichzeitig die Einkaufsstraße im eigenen Stadtteil langsam ausblutet. Auch Förderprogramme sollten deshalb stärker dort ansetzen, wo Menschen ihren Alltag tatsächlich verbringen.

Natürlich lässt sich der Strukturwandel im Einzelhandel nicht zurückdrehen. Onlinehandel, große Einkaufszentren und verändertes Konsumverhalten haben dauerhaft etwas verändert. Es wäre unrealistisch zu glauben, jedes verschwundene Fachgeschäft könne einfach ersetzt werden.

Aber genau deshalb braucht es neue Ideen.

Nicht jedes ehemalige Ladenlokal muss wieder Einzelhandel werden. Kleine Gastronomie, medizinische Angebote, soziale Einrichtungen, Coworking, Vereine, Handwerk oder kulturelle Nutzungen können neue Frequenz schaffen. Entscheidend ist, dass Erdgeschosse genutzt werden und Straßen nicht aus immer mehr verschlossenen Schaufenstern bestehen.

Auch die Aufenthaltsqualität spielt eine Rolle. Ein Stadtteilzentrum braucht mehr als Parkplätze und Fahrbahnen. Bäume, Bänke, saubere Plätze, gute Beleuchtung und sichere Wege können darüber entscheiden, ob Menschen gerne bleiben oder nur möglichst schnell wieder verschwinden.

Dabei muss man auch über Erreichbarkeit sprechen. Gerade ältere Menschen profitieren davon, wenn wichtige Angebote zu Fuß oder mit kurzen Wegen erreichbar sind. Wer jede Besorgung nur noch mit dem Auto oder durch eine Fahrt in die nächste Innenstadt erledigen kann, verliert ein Stück Selbstständigkeit.

Lebendige Stadtteilzentren sind deshalb auch eine Frage sozialer Infrastruktur.

Das Ruhrgebiet sollte diese Zentren nicht als Überbleibsel einer vergangenen Einkaufswelt behandeln. Sie können ein wichtiger Teil der Zukunft sein, wenn Städte bereit sind, sie neu zu denken.

Es geht nicht darum, den Handel von früher künstlich zurückzuholen.

Es geht darum, Orte zu erhalten, an denen ein Stadtteil zusammenkommt.

PottKom meint: Wenn das Ruhrgebiet seine Stadtteilzentren verliert, verliert es mehr als Geschäfte. Es verliert Nähe, Alltag und ein Stück Identität. Deshalb müssen diese Orte nicht konserviert, sondern klug weiterentwickelt werden.

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