PottKom: Essen, Bochum, Gelsenkirchen und Co.: Warum jede Stadt nicht alles alleine machen muss

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Das Ruhrgebiet ist eine der größten zusammenhängenden Stadtlandschaften Europas. Trotzdem wird hier noch erstaunlich oft so gedacht, als würde hinter jeder Stadtgrenze eine andere Welt beginnen. Essen plant für Essen, Bochum für Bochum, Gelsenkirchen für Gelsenkirchen. Dabei liegen viele Probleme und Chancen längst auf dem gemeinsamen Tisch.

Gerade das ist eine der großen Schwächen des Reviers. Die Städte liegen eng beieinander, Menschen pendeln täglich zwischen ihnen, Verkehrsachsen verbinden ganze Teilregionen und wirtschaftliche Entwicklungen machen nicht an Ortsschildern halt. Wer morgens in Gelsenkirchen wohnt, in Essen arbeitet und abends in Bochum einkauft, erlebt das Ruhrgebiet längst als einen gemeinsamen Lebensraum.

Die Verwaltung tut das oft noch nicht konsequent genug.

Natürlich braucht jede Kommune eigene Entscheidungen. Essen hat andere Herausforderungen als Herne, Dortmund andere als Bottrop. Lokale Identität ist wichtig und soll es auch bleiben. Niemand verlangt, dass Städte ihre Eigenständigkeit aufgeben.

Aber Eigenständigkeit darf nicht mit Alleingang verwechselt werden.

Beim Verkehr ist das besonders offensichtlich. Wenn jede Stadt Radwege, Busverbindungen, Baustellen und Verkehrsführungen nur bis zur eigenen Grenze denkt, entsteht kein funktionierendes Netz. Dasselbe gilt für Gewerbeflächen, Wohnungsbau, Kulturangebote oder große Freizeiteinrichtungen.

Nicht jede Stadt braucht alles.

Muss wirklich jede Kommune versuchen, mit eigenen Großprojekten, Veranstaltungsflächen oder Einkaufsstandorten Besucher anzuziehen? Oder wäre es nicht manchmal klüger, gemeinsam Schwerpunkte zu setzen und dafür die Verbindungen zwischen den Städten zu verbessern?

Das Ruhrgebiet könnte enorm davon profitieren, wenn sich seine Städte stärker ergänzen statt ständig miteinander zu konkurrieren.

Essen kann andere Stärken ausspielen als Bochum. Gelsenkirchen andere als Dortmund. Duisburg hat mit Hafen und Rhein eine andere Ausgangslage als Oberhausen oder Mülheim. Genau darin liegt eine Chance.

Eine starke Region entsteht nicht dadurch, dass jede Stadt versucht, eine kleine Version von allem zu sein. Sie entsteht dann, wenn Städte wissen, was sie besonders gut können und ihre Nachbarn nicht nur als Konkurrenz betrachten.

Auch finanziell spricht vieles für mehr Zusammenarbeit. Viele Ruhrgebietskommunen stehen unter erheblichem Haushaltsdruck. Gleichzeitig werden Strukturen teilweise mehrfach aufgebaut, weil jede Stadt ihre eigenen Lösungen organisiert.

Gemeinsame Projekte können nicht jedes Finanzproblem lösen. Aber gerade bei Digitalisierung, Verwaltung, Beschaffung, Infrastruktur oder regionaler Planung sollte häufiger gefragt werden, was zusammen besser und günstiger funktionieren könnte.

Das Ruhrgebiet ist stark genug für Unterschiede. Es muss keine einheitliche Stadt werden.

Aber es sollte endlich häufiger wie eine gemeinsame Region handeln.

PottKom meint: Essen, Bochum, Gelsenkirchen und die anderen Städte des Reviers müssen ihre Eigenständigkeit nicht aufgeben. Aber sie sollten aufhören, jede Herausforderung allein lösen zu wollen. Das Ruhrgebiet wird dann stärker, wenn aus vielen Städten häufiger eine Region wird.

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